Der Mediendesigner aus WiesmoorSonstiges

Warum man beim Contentmarketing mit der KI im Nacken über den Tellerrand blicken muss

Seit etwas über einem Jahr arbeite ich beruflich mit KI Systemen. Und oft wird man damit konfrontiert, dass die Angst, von einem Automaten oder einer KI weitgehend ersetzt zu werden, nicht unbegründet ist.

Wer wie ich für Layouts oft 3D Grafiken aufwendig mit Software wie 3Ds Max oder Blender erstellt, kann von Resultaten wie derer von Midjourney ein wenig erschüttert werden. Gerade wo ich vor kurzem ein erstes Pferdekopf-Deko 3D Druck-Modell mit Midjourney erstellt (und hier zum Download eingestellt) habe, das ich nicht hätte besser zeichnen können. Im Glauben an die Zukunft des Jobs, aber auch der Veränderung darüber hinaus, kann man das schon fast als Mind-Fuck bezeichnen, wenn man den Gedanken nicht loswird.

Doch letztendlich liegt es meiner Meinung nach in der Macht jedes Einzelnen, dies zuzulassen oder nicht.

Dazu muss ich etwas ausholen, um den wirklichen Nutzen von KI aus meiner persönlichen Sicht zu skizzieren. Als Mitarbeiter und Selbstständiger im Marketing, als Grafiker und SEO ist es wichtig, die Scheuklappen in der Szene loszuwerden – dies war nie wichtiger als jetzt!

Im Bereich der Traffic-Generierung wird häufig viel zu kurz gedacht und ChatGPT, der neue heilige Gral, dazu genutzt, um mal eben das eigene Business und das der Kunden mit möglichst wenig Aufwand und maximalem Profit weiterzubringen.

Aufpassen, hier ist das Luftloch!

Doch wer nun Content aus ChatGPT drückt, um die tausendste Landeseite für das nächste Long Tail Keyword zu bauen, muss dringend mal über den Tellerrand blicken. Denn während Bing schon vor der IO Googles Anzeigengeschäft mit der Integration der AI Stufe das Rampenlicht stahl, stellt sich jetzt die Frage, wer auf den gerade erstellten SEO Landeseiten überhaupt noch ankommt. Denn wenn die Landeseite durch die ausführliche Antwort auf eine Frage an die KI ausgehebelt werden kann, und das kennen wir von Googles Direct Answers, wird diese Seite langfristig beinahe unnötig. Sie dient im optimistischen Fall nur der nächsten KI für deren Training und dem einen oder anderen Kunden, der sich vielleicht klassisch darauf verirrt.

Beispiele gibt es genug

Nehmen wir das Gartencenter um die Ecke, die gerade solche Seiten für die Aussaht und Pflege von Gemüse aufbauen, um daneben die Saat zu verkaufen. Wer im neuen Bing jedoch „Ich plane ein Gewächshaus zu bauen. Welches Gemüse soll ich anbauen?“ oder noch präzisere Anfragen eingibt – wird die neuen Seiten des Gartencenters sehr wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen, denn die Suchmaschinen entwickeln sich zum neuen AOL, einer Oberfläche im Netz, die es vor vielen Jahren schon einmal gab und die man eigentlich nicht mehr verlassen muss, um Lösungen (und hauseigene Produkte zu finden, die man als Internet verkaufen will). Dieser damals versuchte Plan könnte mit AI endlich wieder aufgehen und viele Web- / Landeseiten obsolet.

Vieles wird sich leider schon bald ändern und wir können nur versuchen, KI richtig zu nutzen, um unseren eigenen Wert nicht selbst zu gefährden.
Wenn man KI zum Beispiel als sensibles Werkzeug und nicht als eine Massenfertigungsanlage nutzt.
Letzteres führt zweifellos dazu, dass man sich und seine Expertise verliert – jeder Produktionshelfer ohne Ausbildung kann mit ein wenig Übung eine KI bedienen, wer braucht dann noch einen Journalisten? Oder Content-Marketer, SEO usw. viele andere oder branchenfremde Bereiche habe ich selbst noch nicht bedacht.

Aber wenn unser geschaffener Content von Menschen gemacht bleiben soll, darf meiner Meinung eine KI gerne helfen, nur nicht in der Schaffung. Zum Beispiel ist die Themenfindung für viele Menschen oft eines der größten Probleme bei der Content-Generierung. Und wer den eigenen Beruf oder Shop liebt, kann Texte oder Grafik auch selbst erstellen, man muss nur wirklich für sein Thema brennen und Leidenschaft beweisen. Eine KI kann weder das eine, noch das andere, weshalb man fast immer (noch) zwischen Content aus der Fertigungsanlage und der eines Menschen unterscheiden kann, wenn man genauer hin und hinter die Kulisse blickt.

Der neue Spagat im Marketing wird für die Glaubwürdigkeit in der Zukunft diese sein: Dem Kunden eine Kulisse zeigen, hinter die er blicken darf, wenn er etwas Lebendiges entdecken will.

Und genau dieser Content wird im krassen Gegenteil zu dem gewohnten Hochglanz-Cover des bisherigen Unternehmens stehen – ich denke, wir werden uns früher oder später ausweisen, dass wir Menschen sind, sagte meine Frau.
Und da gebe ich ihr leider völlig recht, wenn Regierungen nicht reagieren.

Wie denkst Du darüber? Wie wird es im Grafikbereich weitergehen? Danke Dir fürs Lesen!

Viele Grüße,
Jürgen

Jürgen

Ich bin Jürgen und als glücklicher Familienpapa und arbeite als Mediendesigner und entdecke mit unserer kleinen Familie die Welt. Was uns wichtig erscheint, müssen wir hier in unserem Blog niederschreiben. 'Nakieken' ist übrigens Plattdeutsch und bedeutet soviel wie "genauer hinsehen" und genau das ist Programm hier im Blog.

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