So hast Du Venedig noch nie gesehen

Hotel in VenedigHotel in Venedig

Beinahe hätten wir den Rest des Tages verschlafen – die Tour mit dem Fahrrad war doch ganz schön anstrengend. Es ist 18:30 Uhr, Zeit die Fotoausrüstung zu packen, damit wir wenigstens noch bei Helligkeit noch Venedig erreichen. Im Flugzeug hatten wir einen Sitznachbarn, der uns empfohlen hatte den Wasserweg für die Anreise nach Venedig zu nutzen – es gehen aus den umliegenden Küstenregionen viele Fähren nach Venedig. Leider geht aus Bibione keine – und zu dieser Zeit sowieso nicht, da wir schon mit dem Auto eine Stunde lang fahren, wie lange würden dann ein Schiff brauchen.

Ich verscheuchte meine Grübeleien und wir verlassen unser Zimmer im zweiten Stock und machen uns auf den Weg zum Auto in der Garage des Hotel Ambassador.

Die Erkältung meiner Liebsten wird immer schlimmer, es ist wirklich schade, wenn man in einen so schönen Urlaub trotz einer gut ausgestatteten Reiseapotheke machtlos zusehen muss, wie sich der Partner quält … wie sagt man im Volksmund, es kommt zwei Tage, bleibt zwei Tage und geht zwei Tage. Natürlich möchte es nicht hoffen …

Die kleinen Sprachproblemen des Leihwagens

Das Navigationsgerät im Auto ist nicht so leicht zu bedienen wie ich dachte – es `spricht` leider nur italienisch :-) aber wir kommen zurecht, Google läuft auch auf dem Handy und da wir beide Auslandspakete für das Internet gebucht haben, ist das nicht weiter tragisch. Über die schon zuvor erwähnte SS14, fahren wir übers Land bis nach Venedig. Ich habe etwas Respekt vor der antiken Stadt, da mir zuvor schon mal zugetragen wurde, welch ein Chaos dort herrschen kann. Doch unser Termin für die Fahrt hätte nicht besser sein können – die Straßen und auch die Transitstrecke übers Wasser waren frei. Werktags und zudem noch am Abend ist nicht viel Verkehr auf der Strecke. Wir kamen schließlich auf diesen Platz nah dem Bahnhof an, wo die Parkhäuser um Kunden buhlen und entschieden uns für das letzte Parkhaus (auf der rechten Seite).


Die Überraschung war, dass man das Fenster auf der Fahrerseite des Wagens ganz geöffnet lassen und den Schlüssel zum Fahrzeug im Wagen lassen soll. Da es ein voll versicherter Leihwagen war, war ich zwar zögerlich doch damit einverstanden, doch sollte dies später noch einer Überraschung werden.

Venedig bei Nacht

Niemand, der in der Lagunenstadt ankommt, sieht dieses Weltwunder zum ersten Mal. Aus dem TV oder Zeitschriften wurde schon viel berichtet, aber Venedig selbst zu erleben ist unbeschreiblich. Durch die alten Gassen treppauf und ab zu wandern, immer den Markierungen und (vielen falschen) Wegweisern nach, die den Markus Platz bzw Piazza San Marco auswiesen ist unglaublich, ähnelt eher einer Schnitzeljagd. Um diese Zeit haben viele der Souvenirhändler schon Feierabend. Die Gassen sind noch mit jungen Leuten gefüllt, jeder mit einem eigenen Ziel, aber man darf auch nicht vergessen, es ist die Zeit der Expo in Venedig – sicherlich ist deshalb noch etwas mehr los als sonst.

In gedimmten Licht, nimmt man Gerüche und Geräusche etwas anders wahr, als am Tage. Die Sinne werden durch die Dunkelheit merklich geschärft, oder bilde ich mir das nur ein? Mein Blick schweift über die alten Mauern und Fassaden, denen man das Alter leider schon zu sehr anmerkt. Der Zustand sehr vieler Gebäude ist nicht wirklich gut, das sieht auch ein Tourist wie ich – es wirkt bedrückend, dass diese Stadt die besten Jahre hinter sich hat. Dennoch fühlt man sich hier seltsam erleuchtet, so fühlbar ist die Historie, die nichts mit einem uns zuvor beschriebenen ‚größten Vergnügungspark‘ gemein hat. Wenn diese Steine und Hölzer nur erzählen könnten, was sie schon in den letzten Jahrhunderten erlebt und Zeuge waren.

So wandern wir stundenlang durch die Stadt um irgendwann zu erkennen, dass wir falsch gelaufen sind und wir den Marcus Platz heute nicht mehr erreichen werden – `Muss ja auch nicht.`, sage ich. Warum sollen wir uns deshalb stressen? Alleine diese Straßen, Geschäfte und Kirchen zu entdecken macht viel Spass. So wandern wir weiter, essen hier eine Kleinigkeit, kaufen dort noch was für unsere Liebsten bis … ja bis plötzlich die Gassen dunkler und dunkler waren.


Mir wurde eigentlich erst bewusst, dass wir alleine sind, als ich nur noch meine eigenen Schritte von den Wänden widerhallen hörte. So warte ich und lasse meine Frau zu mir aufschließen, da ich in Gedanken etwas voraus gelaufen war. Wir wussten beide, was der andere dachte und machen uns weiter auf, immer engere Gassen zu erforschen. Keine Fenster waren mehr beleuchtet, Graffiti wohin man nur blickte … ich hörte jemanden schnarchen und vermutete im Spaß den Priester der Kirche zur Linken von uns. Doch es lag hier nur jemand auf dem Boden, mit Karton zugedeckt – eine weitere arme Seele, selbst hier in diesem Weltwunder. Wieviele Glücksritter haben sich hier in der Stadt versucht, versucht das große Glück zu finden oder vielleicht einmal so viel Geld wie ein Gondoliere zu verdienen – und sind dabei gescheitert? Ich schüttle den Gedanken ab. Als wir um eine weitere Ecke bogen, konnten wir weit 300m weiter – am anderen Ende der dunklen Gasse, Menschen im Licht laufen sehen – eine der Hauptschlagadern Venedigs lag wieder vor uns.

Nach einem Mitternachtssnack machen wir uns wieder auf den Rückweg. Solch ein Ausflug sollte langsam enden, den ich aber mit meinen Worten einfach nicht beschreiben kann. Ein tolles Gefühl, hier ohne Stress (und Ziel :) die Straßen Venedigs zu erforschen.

Eine Fahrt mit der Gondel haben wir uns gespart. 80 bis 100 Euro für 35 Minuten fanden wir ganz schön happig – wenn man hört dass die Gondoliere die reichsten Italiener des Lands sein sollen, die lt Wikipedia nicht unter 5000 – 6000 Euro im Monat verdienen. Ne, das muss ich nicht unbedingt haben …

15 Euro für fünf Stunden ist nicht teuer

Im Parkhaus angekommen stellt sich heraus, dass der Wagen weg ist. Ich laufe das Stockwerk zweimal (oder auch dreimal) auf und ab und suchte eingehend nach unserem Auto. Habe ich mir ja genau das Kennzeichen gemerkt – war ein Scherz, ich wusste gerade mal ungefähr die Farbe, nicht mal das „Gesicht“ hatte ich mir gemerkt. Etwas verzweifelt sah ich dann noch ein Stockwerk höher nach, ehe ich mir dann am Ende doch Hilfe holen musste.

Es stellte sich heraus, dass ein Mitarbeiter den Wagen umgeparkt hatte – also alles halb so wild :)

Gegen kurz vor drei Uhr in der Früh, fuhren wir wieder in Bibione ein. Das Hotel war schnell gefunden und die Rezeption war wie versprochen, noch immer besetzt. Jetzt schnell ins Bett, denn morgen treffen wir uns mit den anderen Bloggern und dem Team von MM One im Hotel Excelsior. Oh weh – da müssen wir ausgeschlafen sein!

Jürgen und Tanja

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