Friesenzeit (Podcast)

Das Großsteingrab in Aurich und der erste König der Friesen – Friesenzeit Podcast Folge 1

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Jürgen Jester

Die Sage ums Großsteingrab Tannenhausen in Aurich

Mit Friesenzeit lässt sich angeblich prima einschlafen, doch es geht eigentlich auch um Geschichte, Legenden, Sagen und Märchen, die mit unserer Heimat, Ostfriesland in Zusammenhang stehen. Alle ein bis zwei Wochen besuchen wir gemeinsam einen Ort, um den sich irgendwelche Geschichten ranken … die vielleicht sogar wahr sind.

Vierl Spaß mit der neuen Folge,
Jürgen

Transcript:

Willkommen bei Friesenzeit.

Das Großsteingrab und der erste König der Friesen.

Bekanntlich ist nichts ist lebendiger als eine Legende, die durch die Faszination von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Im alten Land des heutigen Niedersachsen, entstand ein geheimnisvolles Hünengrab, das Ortskundigen heute unter dem Namen Großsteingrab von Tannenhausen geläufig ist. Doch die Legende, die sich um das viele Jahrtausende alte Bauwerk rankt, ist vielleicht nicht ganz so bekannt.

Die Geschichte beginnt in den Tagen der alten Stämme, die in dieser Region lebten. Schon sie glaubten, dass das alte Grabmal einst für ihre größten Helden errichtet worden war. Jene Helden, die in Schlachten gegen ihre Feinde tapfer gekämpft und sich das Recht verdient hatten, in einer heiligen, wohl ewig überdauernden Gruft bestattet zu werden.

Dies wurde jedenfalls von Barden und Geschichtenerzählern an den Höfen von Königen und Königinnen immer wieder erzählt. Es hieß, das Grab sei von den Göttern selbst erbaut worden, als Zeugnis für die Größe des Kriegers, der darin lag. Es soll die letzte Ruhestätte eines legendären Anführers sein, eines Mannes, der das Land vor sehr langer Zeit geeint, gegen seine Feinde verteidigt und später regiert hatte.

Das Grabmal besteht aus gigantischen Steinen, von denen jeder einzelne Tausende von Pfund wiegt. Einst standen die gigantischen Steine hoch und stolz, ein Zeugnis der Macht und Stärke derer, die es erbaut haben.

Viele Jahrhunderte lang war das Großsteingrab versiegelt geblieben, seine Geheimnisse vor der Welt verborgen. Doch mit der Zeit wuchs die Neugier der Menschen auf das, was sich darin befand. Der Respekt gegenüber der alten Götter und Bräuche schwand. Ja viele hatten inzwischen versucht, es zu betreten, aber alle waren gescheitert und niemand verstand, woher die Steine stammten und mit welcher Magie sie hatten überhaupt bewegt werden können.

Daher glaubten viele auch, dass die Grabstätte von mächtigen magischen Kräften bewacht und jeder, der es zu betreten versuchte, von einem Blitz erschlagen oder von Flammen verzehrt wurde. Vielleicht aber auch, dass man für den Frevel der Entweihung der Grabkammer von den Toten ewig verfolgt werden würde. So vergingen viele weitere Jahre, ehe im siebten Jahrhundert ein junger Krieger namens Aldgisl beschloss, das Geheimnis des alten Grabes zu lüften. Er war nicht nur ein geschickter Kämpfer, sondern auch ein tapferer Mann, und er war fest entschlossen, die Geheimnisse des alten Steingrabes zu lüften.

Trotz der Warnungen der Menschen machte sich Aldgisl an die Aufgabe. Er suchte den Rat gelehrter Männer und scharte treue Freunde und Helfer um sich, denn er wusste, dass keiner ohne die Hilfe solch gigantische Steine würde bewegen konnte.

Schließlich, nach Wochen der Vorbereitung, gelang es Aldgisl und seinen Getreuen einen Zugang in die Gruft zu öffnen.
Aldgisl bestand darauf, das Grab alleine zu betreten und so führte ihn seinen Weg durch die Dunkelheit, in die sich seit tausenden von Jahren kein Lichtstrahl verirrt hatte. Sein Herz raste vor Aufregung und Furcht vor dem Unbekannten, das hier vielleicht lauerte. Doch es gab keine Fallen, kein Blitz der ihn beim Betreten traf, nur die Aura eines unendlichen Friedens.

Doch als er sich schließlich langsam der hinteren Grabkammer näherte, spürte er die Anwesenheit einer großen Macht in seinem Inneren. Er legte die Hand auf sein Schwert und trat vorsichtig in die Mitte des Raums, bereit, sich dem zu stellen, was vor ihm lag.

Und dort angekommen , entdeckte er die schemenhaften Überreste eines Grabes in der Größe eines Menschen, der hier schon vor einer Ewigkeit beigesetzt wurde. Die Grabbeigaben schienen wenig kostbar, ja fast schon primitiv. Doch Aldgisl wusste, dass dies nebensächlich war, etwas ganz anderes hat ihn hierhergeführt. Und im selben Augenblick begann des Gab zu im schwachen Licht zu schimmern.

Aldgisl spürte, dass er sich in der Gegenwart eines gefallenen Helden befand, und er fiel in Ehrfurcht auf die Knie. Dann sprach eine alte Stimme zu Aldgisl und der vor vielen Äonen gestorbene Herrscher erzählte ihm die Geschichte des Landes, dass er in Gefahr sieht. Er sprach von den großen Schlachten, die er geschlagen, und den umliegenden Ländern, die er geeint hatte. Und er würde ihm, Aldsisl ebenfalls beistehen, um das verlorene und zerstrittene Friesland erneut zu vereinen und gegen bald aufstrebende Feinde zu sichern.

Und als er dem alten Herrscher zuhörte, wusste Aldgisl, dass er seine wahre Bestimmung gefunden hatte und schwor auf dem Grab, die Aufgabe zu übernehmen.

Soviel zur Legende, wie Aldgisl der erste König der Friesen wurde.

Hatte er wirklich einen Jahrtausende alten Mentor?
Der Legende nach hatte er dem alten Herrscher Wort gehalten, sein Erbe fortgeführt und das friesische Volk unter seiner Regentschaft geeint.

Im Laufe der Jahre wuchsen die Geschichten um das Großsteingrab weiter. Es wurde zu einem Wallfahrtsort für die Menschen in der Region. Viele kamen, um den Göttern und den Helden, die in seinen Mauern begraben waren, ihre Ehre zu erweisen. Sie brachten alle Arten von Gaben mit, in der Hoffnung, die Gunst der Götter zu erlangen und unter ihren Schutz zu gelangen.

Und so lebte die Legende des Großsteingrabs weiter, überliefert durch die folgenden Jahrhunderte als Zeugnis der Tapferkeit und des Heldentums von Aldgisl und seinem ungewöhnlichen Mentor, dem noch älteren Krieger, der darin lag.

Leider erlebte die Grabstätte nicht nur Hingabe und Frömmigkeit. Viele versuchten, die Geheimnisse zu lüften, die in dem Grabmal verborgen lagen. Einige glaubten, dass die Räume den Schlüssel zu großer Macht und Reichtum enthielt, und dass diejenigen, die dieses Wissen besaßen, enormen Einfluss auf die Welt ausüben konnten.

Im Laufe der Jahre wurde das Grab zum Großteil zerstört.

Es musste erst wieder viel Zeit vergehen, ehe die Grabstätte 1962 und 1963 unter Leitung der Ostfriesischen Landschaft erforscht wurde. Im Steingrab wurden Keramik sowie Steingeräte gefunden und geborgen.

Die Fundstücke sind heute im Historischen Museum Aurich und im Heimatmuseum Leer ausgestellt.

Ob die Legende des Großsteingrabs von Aurich wahr ist? Das Großsteingrab von Tannenhausen ist real, es wurde mit einem hohen Aufwand restauriert und lockt jedes Jahr viele Besucher an. Die Anlage gehört nach Forschungsergebnissen der Form nach zu den Ganggräbern, der ersten bäuerlich geprägte Kultur im nördlichen Mitteleuropa und folgte auf die wildbeuterisch geprägte Mittelsteinzeit. Das Grab dürfte um ca. 3500 v. Chr. entstanden sein – vor über 5000 Jahren. Damit gehört die Anlage in Tannenhausen zu den ersten ihrer Art in der Region.

Die Legende selbst gilt als erfunden – aber vielleicht liegt ja doch ein Körnchen Wahrheit darin. Im Lauf der Zeit hat es viele Geschichten um diesen sagenhaften Ort gegeben. Macht euch doch mal selbst ein Bild und seht euch den Ort mit eigenen Augen an?

Weiterführende Links auf Wikipedia: Großsteingrab Tannenhausen und der erste König der Friesen: Aldgisl.

Für weitere Vertonung dieser Episode nutzte ich diese tollen Stücke, mein Dank geht an:

Music by elias_weber from Pixabay

Music by Julius H. from Pixabay

Sound Effect from Pixabay

Realisierung: Medi2go.de aus Wiesmoor

Jürgen

Ich bin Jürgen und als glücklicher Familienpapa und arbeite als Mediendesigner und entdecke mit unserer kleinen Familie die Welt. Was uns wichtig erscheint, müssen wir hier in unserem Blog niederschreiben. Abonniere uns, damit du immer auf dem Laufenden bleibst: Wir posten Fotos auf Instagram und haben dem Podcast nun auch einen Kanal unter Friesenzeit dort eingerichtet :-) Bis bald! PS: 'Nakieken' ist übrigens Plattdeutsch und bedeutet soviel wie "genauer hinsehen" und genau das ist Programm hier im Blog.

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