Friesenzeit (Podcast)

Einen eigenen Podcast starten – so kam ich zur „Friesenzeit“

Friesenzeit Podcast Setup

Es beginnt oft mit einer kleinen Idee, die im Idealfall vielleicht auch noch ein bisschen verrückt ist. Denn genau das sind die Ideen, die man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Meine Tochter hatte Interesse an dem Thema, warum ich mich hier in die Tasten gestürzt habe. Es ist eine tolle Reise, die man mit einem eigenen Podcast unternimmt: Man sitzt an einem stillen Abend da, hat endlich wieder Zeit für ein Lieblingsbuch gefunden und hört im Hintergrund den Wind über das Dach ziehen – und plötzlich ist da dieser Gedanke: „Wie wäre es, wenn ich diese Geschichten nicht nur für mich behalte, sondern mit anderen teile?“

Ich würde sagen, auch so fangen manche Abenteuer an. Denn genau so wurde auch die Idee für Friesenzeit geboren:
Beim Lesen von alten Sagen, gefunden auf Flohmärkten oder im Second-Hand-Shop, keimt dann zwischen vergilbten Seiten und längst vergessenen Büchern der Gedanke zu einem Podcast hoch.

Fast als mein jüngeres Ich, das schon als Schuljunge gerne Sagen las, leise darum bat, die Geschichten von „damals“ und heute vielleicht nochmal jemandem erzählen zu dürfen.
Und vielleicht kennst Du ja dieses Gefühl auch – seien es Geschichten, ein Thema oder einfach eine Leidenschaft, die Du in die Welt hinaustragen möchtest. Du findest auf dem Weg Gleichgesinnte, die sich für Deine Erzählungen interessieren – gibt es etwas Schöneres?
Und ein Podcast kann dafür das Tor sein. Kein großes Studio, keine komplizierte Technik – nur Deine Stimme, ein Mikrofon und die Lust, etwas lebendig werden zu lassen. Was Du brauchst, erkläre ich Dir hier gleich, aber zuerst die große Frage:

1. Warum willst Du überhaupt podcasten?

Bevor Du Dich in Kabel und Technik stürzt, stell Dir bitte mal diese Frage: „Warum will ich einen Podcast machen?„. Das wird nämlich Dein Träger für die Mühe in der Zukunft, das, was Dich auch künftig motiviert.

Hast Du ein Thema, das Dir am Herzen liegt? Das macht es natürlich noch einfacher. Es wäre sehr ermüdend, wenn Du nur die Neuigkeiten aus dem Geflügelzuchtverein erzählen willst – aber hey, auch das hat sicher seine Hörer :-) und wenn es nur die Vereinsmitglieder sind.

Willst Du Geschichten erzählen, Interviews führen oder Wissen teilen? Und für wen machst Du das Ganze eigentlich?

Bei Friesenzeit war die Antwort für mich eigentlich auch nicht so ganz klar: Ich liebe alte Sagen, die man kaum noch irgendwo findet. Viele stammen aus alten Büchern, die längst nicht mehr neu aufgelegt werden – das Interesse in der Gesellschaft ist gering und alles muss ja heute Geld einbringen – daher haben solche Titel kaum noch einen Markt. Und ich finde es echt schade, wenn Geschichten in den Schatten zu verschwinden drohten. Ich wollte diesen gerne eine neue Stimme geben – auch wenn ich meine Stimme nicht gerade toll finde – aber das soll ja jedem so gehen.

Also, was brauchst Du wirklich jetzt dazu?

 

2. Die Grundausstattung – weniger ist mehr

Oft denken Leute: „Ohne Profi-Studio geht gar nichts!“ Falsch gedacht. Du brauchst gar nicht viel, um loszulegen:

  1. Ein Schreibblock – den ich oft in der WOhnung mit mir herumtrage oder am Bett liegen habe – hier kommen schnell die Ideen oder Hinweise für meine nächste(n) Sitzungen am Mikro rein.
  2. Ein Mikrofon – das Herzstück. Kein Luxusmodell nötig, aber ein wenig besser als das Laptop-Mikro sollte es vielleicht schon sein.
  3. Kopfhörer – damit hörst Du, ob alles sauber klingt oder ob Deine hungrige Katze plötzlich unbeabsichtigt zur Nebendarstellerin wurde.
  4. Aufnahme-Software – Audacity* zum Beispiel ist kostenlos für Windows und Linux und reicht für den Anfang völlig, sagen viele.
    Ich muss hinzufügen, mir wird es sogar in der Zukunft noch reichen, was will ich denn mehr?

Mein Tipp: Fang klein an. Mit der Zeit kannst Du immer noch upgraden – aber wichtig ist, dass Du erstmal startest! Nimm Dir einen Block und sammel doch mal ein paar Ideen für mögliche Folgen, jetzt gleich.

Dann startest Du erstmal Deine Introfolge – in die ich leider recht wenig Energie gesteckt hatte, weil ich ja noch nicht wusste, ob etwas daraus wird.
Denke daran, die Introfolge ist das erste, was neue Hörer herunterladen – und diese Folge entscheidet so ziemlich darüber, ob jemand weiterhört, oder abbricht.

Stelle Dich und Deinen Podcast vor, das braucht ja auch nur 2-3 Minuten zu dauern.  Aber so weiß jeder, um was es in den nächsten Folgen gehen wird.

Meine Intromusik für Friesenzeit stammt von Pixabay, hast Du das gewusst? Unter https://pixabay.com/de/music/ findest Du Musik, die Du vielleicht auch verwenden möchtest. Aber Vorsicht – prüfe immer erst die Lizenz, ob das dafür gestattet wird.

 

3. Wo landet der Podcast am Ende?

Deine Stimme ist aufgenommen – und jetzt? Damit andere Dich hören können, brauchst Du einen Platz, wo Du die fertigen MP3s ablegen kannst. Das nennt sich Podcast-Hosting.

Es gibt viele Angebote im Netz, die Dich auch gleich überall anmelden und sich um Deinen Podcast kümmern – doch am Ende haben alle eines gemeinsam: Diese Dienste kosten natürlich Geld. Und das auch jeden Monat.

Ich nutze dazu (m)ein WordPress Blog, das ich um das kostenlose Plugin PodLove erweitert habe. Damit entstehen mir keine weiteren Kosten, denn letztere wollte ich für mein Hobby natürlich gering halten. Ein ganz anderer Punkt ist es, seine Daten einem anderen Anbieter anzuvertrauen. Nicht nur, dass man dort später schwerlich wieder wegziehen kann. Man ist auch darauf angewiesen, dass dort nichts passiert und gerade erst vor kurzem hat ein Podcastkollege einen großen Schiffbruch bei Spotify erlitten, die seine Folgen und damit auch hunderte Abonnenten gelöscht haben. Begründung: „Er spielte in einer Folge zuviel Musik“.

Ein Grund mehr, das Hosting lieber in Eigenregie zu machen. Wenn Du Dir hier unsicher bist und nicht weißt, wer Dir helfen kann, kannst Du mich gerne fragen, das ist eigentlich echt kein Hexenwerk.

Dann hast Du endlich Deinen Speicherplatz im Internet, der dir einen RSS-Feed erstellt, den man abonnieren kann. Dieser Feed ist der Schlüssel: Er sorgt dafür, dass Dein Podcast bei Spotify, Apple Podcasts und Co. automatisch auftaucht, wenn man den Podcast dort angemeldet hat.

Und dann brauchst Du eigentlich nur noch ein Coverbild oder Logo. Das ist so etwas wie dein Aushängeschild. Menschen sehen es, bevor sie eine einzige Sekunde gehört haben – also mach es klar, erkennbar und passend zu Deinem Thema.

 

4. Wie viel Arbeit steckt da drin?

Die berühmte Frage. Die Antwort: Es kommt echt darauf an.

Die Aufnahme: dauert mindestens so lange wie die Folge selbst, häufig eher die doppelte Zeit. Bei mir zumindest, so of ich mich auch mal verplappere oder oft meine Atemgeräusche herausschneiden muss.

Schnitt & Nachbearbeitung: Willst Du alles ganz glatt haben oder lieber roh und authentisch? Beides hat seinen Reiz und kommt eben darauf an, was für einen Stil Du machen möchtest.

Veröffentlichung & Bewerbung: Hochladen geht schnell, aber wenn Du neue Hörer:innen gewinnen willst, solltest Du auch auf Social Media aktiv sein.

Ich vergleiche das gerne mit Kochen: Du kannst stundenlang ein Festmahl vorbereiten – oder in 10 Minuten was Leckeres zaubern. Beides ist Essen. Beim Podcasten genauso.

 

5. Rechtliches – keine Panik, aber hinschauen

Keine Angst, Du musst kein Anwalt sein. Aber ein paar Grundregeln helfen vorab schon:

Musik: Nur verwenden, wenn Du die Rechte hast oder sie wirklich lizenzfrei ist (ich habe mir bei Humble Bundle** schon zwei Musikbibliotheken mit zugehörigen Rechten günstig gesichert).

Texte & Quellen: Wenn Du etwas liest, achte auf Urheberrecht. Alte Sagen sind oft frei, aktuelle Bücher nicht. Ich recherchiere und schreibe die Geschichten oft neu oder weite sie aus, wenn diese in einer der typischen Sagensammlungen nur aus 10 Zeilen bestand – ja, das gabs öfter.

Interviews: Hol Dir vorher das Okay Deiner Gesprächspartner:innen!

 

6. Am Ende zählt: einfach anfangen

Die größte Hürde ist nicht die Technik, sondern das Warten auf den „perfekten Moment“. Der kommt selten. Besser: einfach anfangen. Jede Folge bringt Dich weiter, jede Aufnahme wird leichter.

Ich sage immer: Ein Podcast ist wie ein Spaziergang am Deich, oder noch besser ein Pilgerweg. Du musst nur losgehen – und der Weg zeigt sich unterwegs von ganz alleine.

Und jetzt bist Du dran: Überleg Dir Dein „Warum“, schnapp Dir ein Mikrofon und fang an. Den Rest lernst Du Schritt für Schritt. Und wenn Du Lust hast, erzähle ich Dir gerne, welche Technik und welchen Workflow ich für Friesenzeit nutze.

Also – los gehts! Und verlinke Dein Podcastprojekt doch bitte hier mit einem Kommentar.

Liege Grüße,
Jürgen

https://www.audacityteam.org/

**  https://pixabay.com/de/music/

*** https://www.humblebundle.com/software

 

author-avatar

Über Jürgen

Moin! Ich bin Jürgen und einer der beiden Köpfe hinter Nakieken.de – neugierig, kreativ und oft mit der Kamera oder dem Notizbuch unterwegs. Als Mediendesigner mit einem Faible für gutes Design und echte Geschichten schreibe ich hier über das, was mich bewegt: Reisen, die den Horizont erweitern, kreative Projekte, die das Leben bunter machen – und die kleinen, besonderen Momente im Familienalltag. Gemeinsam mit meiner Partnerin (und manchmal auch als Team) entsteht hier ein Blick auf die Welt, der persönlich ist – mit Herz, Humor und einer Portion norddeutscher Gelassenheit. Ob am Meer, auf dem Spielplatz oder beim nächsten Geistesblitz: Ich nehme euch mit – zum Nakieken, Nachdenken und Nachfühlen.❤️

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert