Von Kiel nach Göteborg: Übers Wochenende mit der Fähre nach Schweden

Aufführung auf dem EisAufführung auf dem Eis

Unser jüngstes Familienabenteuer führte uns nach Schweden. Genauer gesagt hat uns StenaLine zu einer Bloggerreise eingeladen, um die Fährverbindung von Kiel nach Schweden und Göteborg mit eigenen Augen zu beurteilen. Wir lernten wieder einiges dazu und das nicht nur, weil wir mit Kind verreisten.

„Überraschung!“, so präsentierte ich meiner Frau die eMail mit der Einladung. Beinahe als SPAM eingestuft, war ich erst wieder versucht, die Nachricht mit den restlichen 80% der heutigen eMails zu entsorgen. Doch das direkte Anschreiben an meinen Reiseblog Nakieken brauchte ich erst dazu, die Nachricht etwas ernster zu nehmen.

Erst kurz zuvor kamen wir von unserem Campingurlaub in Dänemark zurück, so war ein Trip nach Schweden übers Wochenende doch genau was wir eh schon vor hatten. Das Thema Skandinavien war noch heiß und in unserer Familie sprachen wir bereits darüber, wie wir in der Zukunft mit dem Wohnwagen wohl nach Schweden übersetzen konnten. Unsere Nachbarn, Familie Kutschke sind auf der Route schon Veteranen, aber wann hat man schon die Zeit, einen Themenabend zu gestalten. Wie mit so vielem, man schiebt es vor sich her und beschwichtigt sich selbst, „Demnächst – unbedingt!“.
Doch genau diese Reiseetappe planen wir, seit wir „Ein Mann ein Fjord“ gesehen hatten – Schweden wie Norwegen verbinden wir seither mit purer Romantik und nicht enden wollenden Straßen durch die Wildniss, die wir irgendwann unbedingt befahren und erleben möchten. Vor einigen Jahren haben wir bereits die Nordtour mit der AIDA gebucht und hier und da Land kurz betreten können – für einen genaueren Blick in Land und Leute reichte das aber leider auch nicht aus. Seither Träumen wir von der Rückkehr in den Norden.

Koffer packen und auf nach Kiel

Die Arbeitswoche war hart und ich freute mich auf unser so genanntes „Inselwochenende“, der Abgeschiedenheit. Tanja packte die Koffer und sorgte sich um unser Wohl. Ich konnte mich in der Woche vor unserer Abreise leider nicht auf die Reise vorbereiten. Mein Plan war nur, nach Feierabend am Freitag Mittag nach Hause, Auto beladen und spätestens um 14:00 Uhr losfahren. „Wir fahren ja nur nach Kiel“, denke ich, „um den Rest der Reise würde sich schließlich der Kapitän des Schiffes kümmern.“

Nach dem Routenplaner von Google sollte die Reise von Aurich nach Kiel ca. 3 Stunden und 40 Minuten dauern. Das Navi bestätigte dies, fand nur den Schwedenkai nicht. Während wir schnell aus der Stadt Aurich flitzten, sortierte meine Liebste nochmal die Papiere. Der Treffpunkt mit den anderen Reisebloggern, wie es in der Einladung stand, war mit 17:30 Uhr vermerkt. Adrenalin! Schon zu Beginn der Reise waren wir 10 Minuten zu spät. An einem Freitag wo doch ein jeder nur nach Hause möchte, müssen wir durch den Elbtunnel und zugleich mindestens 10 Minuten aufholen. Ich fühle mich gestresst und ärgere mich, dass ich mir in den letzten Tagen nicht etwas Zeit für die Reiseplanung genommen haben. „Den überhole ich jetzt, los schnell …“

Autobahn Drängler

Ein typischer Autobahn Drängler (Nummernschild geändert!)

Hier muss ich wirklich mal unterbrechen und ein paar Erfahrungen von mir geben, die ich gerade im Begriff bin, zu lernen:

  1. Tankt am Abend vor der Reise, hier gewinnt man nochmal gut 10 Minuten
  2. Das Reiseziel in den Karten von Google ansehen kostet wirklich nicht viel Zeit, macht aber die Navigation um einiges entspannter, wenn man ungefähr weiß wohin die Reise geht.

Es ist ja immer das gleiche, oder nicht? :)

Flugzeuge warten manchmal, Fähren eigentlich nicht

Wir waren die letzten Reisenden, die sich beim Treffpunkt am Schwedenkai einfanden. Hamburg zeigt sich Freitags immer mit Stau und wir sind hier natürlich auch vorbelastet durch andere Reiseerlebnisse. In Hamburg musste einst ein Flugzeug auf uns warten … eine grausige Erfahrung, von der ich (ungern) ein anderes Mal erzähle.

Es war eine interessante Begegnung, andere Blogger kennenzulernen. Schon aus meinem Beruf weiß ich, Internetmenschen können unterschiedlicher nicht sein :)

Endlich an Bord von StenaLine

Doch letztendlich waren wir froh es in der Zeit geschafft zu haben, auch wenn jedem sichtbar die Begeisterung aus dem Gesicht sprang, dass wir so „früh“ angekommen waren. Nachdem wir mit dem Bus an Bord gebracht und unsere schicke 4 Bett Kabine auf dem obersten Deck bezogen hatten, stellten wir bereits die Ruhe an Bord fest. Die Fähre war atemberaubend – groß wie ein kleines Kreuzfahrtschiff und mit Maschinen, die um einiges ruhiger liefen, als die von DFDS. Auf unserer Reise von Amsterdam nach Newcastle hatten wir die Commodore Class gebucht. Doch auch in der Klasse, waren die Geräusche fast unerträglich laut gewesen. An Bord dieses Schiffes von StenaLine wußte ich bereits zu Beginn der Reise – Schlafen ist hier kein Problem.

4 Bett Kabine

Unsere 4 Bett Kabine

Die Familienkabine bietet genügend Platz

Selbst für mich als sehr großen Menschen, war genügend Freiheit da, um alle Beine in der Koje unterzubringen, es ist ja auch kein Urlaub auf der Aida. Nach einer kurzen Verschnaufpause freuten wir uns schon auf das Abendessen an Bord. Gerade für Urlauber mit Kindern sei hier auf die zwei Zeitfenster hingewiesen: Zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr ist das erste Abendessen möglich. Dann wird das Restaurant bis um 20:30 geschlossen, ehe es mit gefülltem Buffet wieder öffnet. Die Qualität ist in keinster Weise mit einer Fähre zu verbinden. Inzwischen sollte jeder verstehen, die skandinavische Reederei Stena steht wirklich über jedem Standard. Und das auch in der wirklich guten Küche. Viel frischer Fisch (all you can eat!), aber auch andere Gerichte, bieten wirklich jedem noch so verwöhnten Gaumen das köstliche Abendmahl. Bemerkenswert ist auch, dass man sich so viel Bier zapfen kann, wie man möchte ;-)

Die Möbel im Restaurant sind – wie es sich an Bord gehört – aus Sicherheitsgründen fest mit dem Boden verbunden. Daher war es etwas schwierig eine gesellige Bloggerrunde aufzubauen. Wer also in größeren Gruppen reist, verfügt maximal über 4-5 Plätze an einem Tisch. Doch nach dem dritten Bierchen, hörte ich schon meine Koje rufen. Der nächste Tag würde ein großer Tag, wir freuten uns bereits auf die Führung durch die Stadt.

Die Durchsage weckt die letzten Schlafmützen an Bord

Frühstück an Bord

Erstmal ein leckeres Frühstück an Bord

Eine herrliche Nacht. Die Durchsage war nur eine Zusatzversicherung, für Reisende, die sich keinen Wecker gestellt haben. In einem neuen Bett schläft es sich bekanntlich nie wie Zuhause, doch dass wir fast verschlafen hätten, sollte als Kompliment gewertet werden :) Beim Frühstück trafen wir überraschenderweise niemanden – ‚Haben wohl noch lange geklönt‘, dachte ich bei mir. Im Ostfriesischen heißt das soviel wie „Gesellig zusammengesessen und ‚etwas‘ gefeiert“. Das ‚etwas‘ ist im friesischen ein sehr dehnbarer Begriff :)
Das Frühstück an Bord bietet ebenfalls alles was das Herz begehrt. Für mich war nur das Rührei und der herrlich dunkle gebratene Speck königlich und brachte neue Kraft in die Glieder.


Die Reiseleitung erwartete uns schon wieder, als wir das Schiff verlassen hatten. Dass es immer alle so eilig hatten? Ich vermute, Eltern die mit Kind reisen, sind einfach etwas entspannter unterwegs. Pärchen, Gruppen von Gleichaltrigen oder Mutter/Tochter Gespanne, wie unsere Reisebloggerkollegen, sind einfach schneller unterwegs – „Tut mir echt leid Leute, entspannt euch :)“, falls jemand von euch diese Zeilen hier liest.

Wir verließen den Hafen um in der Vorstadt vieles über Göteborgs Geschichte zu erfahren, was euch jeder gute Reiseführer erzählt. Es war interessant unserer Reiseleitung zuzuhören. Meine Tochter nannte Sie liebevoll ‚die Geschichtenerzählerin‘.

Goeteborg

Goeteborg

Eine Stadtführung für alle Sinne (und Gebrechen)

Ob historisch oder genussvoll, Göteborg hat wirklich viel zu bieten. Es gibt so viele kulturelle Angebote, dass man sich in dieser Großstadt auch eine Woche aufhalten könnte, ohne dass Langeweile aufkommen würde. Den Mittelpunkt der Stadt bemerkt man an den historischen Kanälen und der alten Häusern. Erst auf einem Stadtplan entschlüsselt man den uralten Verteidigungsbereich im Verlauf der Krachten (die bist auf den Verteidigungswall großteils zugeschütet wurden).


Wir bewegten uns fast ausschließlich zu Fuß durch Göteborg. Zwischendurch nutzen wir die historischen Straßenbahnen und kleine Linienfähren, die einen von Anleger zu Anleger brachten. Doch gerade die alten romantischen Straßenbahn, in Echtholz vertäfelt, die von uniformierten Schaffnern administriert werden, vermitteln dem Gesammtbild der Stadt einen besonders romantischen Charme.

Wir tragen die schönsten Erinnerungen an den gemeinsamen Urlaub, wenn wir uns Zeit gelassen haben, statt von Punkt zu Punkt zu rasen um alle Orte mitzunehmen. Aus diesem Grund empfehle ich Familien sich vor einer Stadtführung über Dauer und ggf Route zu informieren. Göteborg ist schließlich die zweitgrößte Stadt Schwedens nach Stockholm.

Shoppen, Schlemmen und Sightseeing

Unsere Reiseblogger-Gruppe wurde in den Einkaufspassagen und verträumten Fußgängerzonen immer kleiner. Schließlich waren nur noch Stephan und Tanja mit dem Reiseblog Reise-geil.de und Nenni mit ihrem Freund und ihrem Blog travelandlipsticks.de.

Blogger in den Saluhallen

Mascha, Stephan und Tanja in den Saluhallen

Der Rest kannte ich eigentlich nicht/kaum … zudem ich mir im Laufe des Tages in Göteborg noch eine Grippe zuzog, die mich am Abend direkt in die ersehnte Koje beförderte. Somit war es für mich leider etwas ‚Kontaktarm‘ gelaufen. Danke hier nochmal an meine Frau und ihre erstklassige Reiseapotheke, ohne Deine Vorbereitungen wäre es mir übel ergangen.

Ein letzter Abstecher zum Weihnachtsmarkt Liseberg

Mir war nicht klar, wie groß der Weihnachtsmarkt Liseberg ist. Unsere kleine Tochter war froh, endlich Ihr Ziel vor Augen zu haben und die für sie doch eher langweilige Stadtführung ein Ende hatte. Der größte Vergnügungspark Skandinaviens, liegt mitten in der Stadt, leicht mit der Straßenbahn zu erreichen.

Liseberg

Liseberg, von der Straßenbahnhaltestelle aus gesehen

Daneben befindet sich übrigens auch das ‚Universum‘, ein naturwissenschaftliches Museum mit einem Aquarium und Troparium, das ebenfalls zu den Reisetipps und Highlights Göteborgs zählt. Im Weihnachtspark Liseberg angekommen, erwärmte ich mich an dem begeisterte Leuchten in den Augen meiner Tochter – nach einem so langen Fußmarsch durch die Stadt, war endlich ihre Zeit gekommen um den Park mit einer Runde Schlittschuhlaufen einzuweihen. Für mich endlich Zeit eine kleine Pause bei einem leckeren Glühwein zu machen.
Attraktionen und Fahrgeschäfte bieten einen unglaublichen eigenen skandinavischen Charme. Vom „echten“ Brief an den Weihnachtsmann bis zu lebendigen Rentieren wird den Kindern unglaublich viel geboten. Fast 5 Millionen Lichter beleuchten in einem Lichtermeer die zauberhafte Atmosphäre, ist das zu fassen? Es war der schönste Ausklang eines bemerkenswerten Winter-Wochenendurlaubs, den man sich erfüllen kann.
Danke an StenaLine und vor allem an unsere teure Begleiterin Mascha für die freundliche Begleitung und Unterstützung :)

Mit ein paar letzten Bildern zum Park werde ich mich langsam schon verabschieden:


Wir haben uns ein persönliches Bild gemacht und werden sicherlich nicht das letzte mal mit dieser Schifffahrtsgesellschaft unterwegs gewesen sein. Wer sich über Kosten oder nur über die Gesellschaft informieren kann, kann das auf deren Webseite gerne nachholen.

Bis bald – die nächsten Blogs führen uns nach Spanien und nach Griechenland,
Jürgen und Familie

Kategorie Schweden

Hallo, ich bin Jürgen, Familienvater mit dem Drang die Welt mit meiner kleinen Familie zu entdecken. Wenn wir uns nicht gerade in Ostfriesland aufhalten finde ich hin und wieder die Zeit für Reiselektüre, tippe hier in unserem Urlaubs- und Reiseblog oder poste Bilder auf unserem Instagram Profil :-) Schaut doch mal rein. Bis bald!

2 Kommentare

  1. Hej Jürgen!
    Schön über eure Erfahrungen des Göteborg Trips zu lesen!
    Ich habe die gleiche Reise selbst erst letzten Monat gemacht und könnte eigentlich schon wieder los :-)
    Liebe Grüße,
    Rike

    • Ja, war leider zu kurz, würde aber auch gerne wieder für ein paar Tage mehr … mal sehen was die Zukunft so bringt :-)
      Liebe Grüße aus dem verschneiten Ostfriesland,
      Jürgen

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