Reiselektüre für ‚Sie‘: Toni Feller „Die Sünde“

Und wieder ein Buch für den Urlaub. In seinem Roman „Die Sünde“ schreibt der Autor und ehemalige Kriminalkommissar Toni Feller über den Kriminalhauptkommissar Jürgen Nawrod, der nach einigen Querelen von seiner Dienststelle in Stuttgart nach Heidelberg versetzt wird. Bereits wenige Tage nach seiner Ankunft erhält Nawrod ein Päckchen mit brisantem Inhalt zur Polizeidienststelle geschickt. Es handelt sich um einen fachmännisch amputierten Finger. Während Nawrod und seine Kollegen rätseln, kommen weitere abgetrennte Gliedmaßen per Post, jedes dieser grauenhaften Präsente enthält zudem eine in Latein verfasste Nachricht. Tödliche Gewissheit über den Zustand des Opfers erhält Nawrod, nachdem er dessen Herz zugestellt bekommt. Noch während eine Sonderkommission auf die Beine gestellt wird, haben die Täter bereits das nächste Opfer in ihrer Gewalt und setzen ihr blutiges Treiben fort. Die junge Kommissaranwärterin Nesrin Yalcin findet endlich eine heiße Spur, die zu den obersten Reihen der katholischen Kirche führt. Yalcin und Nawrod führen einen Kampf gegen die Zeit, denn die ersten Päckchen mit den Gliedmaßen des zweiten Opfers sind bereits unterwegs.

Toni Fellers Roman geht auf ein hochbrisantes Thema der heutigen Zeit ein, nämlich dem Kindesmissbrauch unter dem Deckmantel der Kirche. Schonungslos offen geht Feller dieses Thema an und überschreitet dabei jedes Tabu. Eine ganze Weile wird dem Leser der Grund für die Verbrechen vorenthalten, jedoch kann man sich schnell selbst einen Reim auf das Geschehen machen. In dem Moment, in dem Feller den Missbrauch beim Namen nennt, werden auch die Details grausam ausgeschmückt. Trotz der Blutrünstigkeit der Verbrechen empfindet man doch Verständnis für die Taten und erwartet von den Tätern umso weniger Gnade. Unbehaglichkeit schlägt während des Lesens in Genugtuung um und doch ist es dem Leser stets bewusst, dass hier kriminelle Handlungen der schlimmsten Art von Statten gehen. Anders als bei herkömmlichen Romanen steckt man beim Lesen in einem ständigen Zwiespalt zwischen der weltlichen und der gesetzlichen Gerechtigkeit, so fiebert man einerseits mit den Ermittlern und kann sich andererseits auch gut in die Gefühlswelt der Täter hineinversetzen.

Störend am Roman empfand ich zunächst die doch recht lax eingesetzte Umgangssprache der heutigen Zeit. So ist die Anrede „Alter“ seitens Nesrin für Nawrod der rote Faden, der sich durch das komplette Buch zieht. Es dauert eine Weile bis man sich an diese oder ähnliche Phrasen gewöhnt. Außerdem passt die Figur von Nesrin nicht von Anfang an in das eher ernste Geschehen. Meiner Meinung nach würde eine reifere Person besser zum Geschehen passen, als das sprichwörtliche Mädchen, das Nesrin immer wieder verkörpert.

Insgesamt ist „Die Sünde“ ein lesenswertes Buch der etwas anderen Art: Es ist ein Buch, dass die Grenzen von Recht und Unrecht, Rache und Sühne verschwimmen lässt.

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Kategorie Reiselektüre, Romane und Angelesenes

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