Mit Tochter auf dem Schlitten durch Aurich

Es hat geschneit und das nicht zu knapp!

Wenn ein Tag so beginnt, fragt man sich eigentlich nur zwei Dinge: „Warum bin ich nicht im Bett geblieben?“ oder „Wie (er)leben die Menschen im Schwarzwald oder noch höheren Lagen nur den Winter?“.
Mir ist zumindest bei so einer Witterung wirklich nicht danach, Urlaub im Harz zu machen – ich bin als Berufspendler nur froh, wenn ich mein Ziel heil erreiche. Ja, was machen solche Zeilen in einem Urlaubsblog? Oft beginnen Tage auf eine Weise und enden auf eine ganz andere. Mein Tag begann eben wie der von vielen anderen Arbeitnehmern auch – mit der Fahrt zum Büro.

Einerseits ist es wichtig, die Liebsten und deren Wünsche nicht aus den Augen zu verlieren. Zum anderen kann eine erholsame Zeit auch in nächster Nähe möglich sein, wie diese Zeilen auf die eigene Art beweisen.
Hier mal ein paar Bilder auf dem Weg durch Aurich an diesem Schneechaos-Morgen:


Es schneite aus allen Wolken. Tage davor ist alles erst etwas angetaut um dann wieder zu gefrieren, so dass ich die verschneiten Nebenstraßen den glatten Hauptstraßen vorzog.
Die geräumten Strecken waren zwar schneefrei, doch das Eis darunter war nirgendwo entfernt. Es war spiegelglatt auf den Hauptstraßen. Das war mir zu unsicher – dann lieber langsam über die Nebenstrecken.
Als Pfälzer in Ostfriesland bin ich bestens trainiert: Schnee und Eis ist uns Süddeutschen kein Fremdwort, ganz im Gegenteil, wir sind es ja fast gewohnt. Noch ein Punkt mehr, den ich dem Norden zurechne – die Winter sind hier herrlich mild und entspannt. Ganz anders als ich mir das früher vorgestellt hatte.

Als ich über die Nebenstraßen rolle, dachte ich schon daran, wie sehr sich die Kinder im Kindergarten schon darauf freuen, wieder in den Schnee zu dürfen.
Meine Tochter habe ich vor 5 Minuten erst dort abgeliefert. Nun vielleicht können wir ja später noch ein wenig Zeit miteinander verbringen, wenn ich ins Wochenende starten kann.

In diesen Winterzeiten werde ich wirklich zum Urlaubsmuffel, am liebsten träume ich in dieser Zeit von Sommer, Sonne und Strandurlaub. Doch deshalb muss man im Winter ja nicht den Kopf in den Schnee stecken :-) Der Arbeitstag verflog, der Feierabend kam und auf dem erneuten Weg zum Kindergarten dachte ich schon daran den Schlitten von Opa wieder auszugraben – meine Tochter würde sich freuen, da war ich mir eigentlich sicher. Opas Schlitten war noch einer von diesen alten Superschlitten, die nicht beschlagen waren, sondern einen ganzen geschweißten Stahlrahmen besaßen.

Mit dem alten Schlitten unterwegs
Mit dem alten Schlitten unterwegs
Zuhause angekommen, zog ich den Schlitten vom Dachboden. Voller Freude sprang unsere Maus auf den Schlitten und der alte Esel (damit bin ich gemeint) zog dann endlich das Gefährt durch unsere verschneite Siedlung.
Herrlich so den Kopf vom Alltag frei zu bekommen, die Luft war trocken und kalt. Auch ist die Geräuschkulisse ganz anders. Der Schnee dämmt auf unglaublich angenehme Weise alle Umgebungsgeräusche. Ein Spaziergang zum Feierabend, wie er schöner nicht sein hätte können.
Geht es unserer kleinen Familie doch gut: Wir verbringen viel Zeit im Beruf, doch versuchen wir so viel Zeit wie möglich zusammen zu verbringen. Schon ein paar Stunden sind eine Flucht vom Alltag, fast ein kleiner Urlaub.

Durch den Wald zur AWO
Durch den Wald zur AWO
Nach einigen Straßenzügen erreichten wir den Waldrand. Eine herrliche Luft da draußen, die sich so sehr von der abgestandenen Büroluft unterscheidet. Hier und da ein Vogel auf Futtersuche – ich notierte im Kopf, dass wir wenn wir wieder Zuhause sind, unbedingt Vogelfutter nach draußen schaffen müssen – bei diesem Wetter haben es die gefiederten Freunde schwer, ausreichend Futter zu finden.
Der Wind streift durch die Baumwipfel und befreit den Schnee in der luftigen Höhe. Eine Schneepriese zeiht durch den Wald. Meine Tochter genießt es sehr und feuert mich andauernd an, den Schlitten noch schneller zu ziehen. Wir passieren den Bach, der den Wald teilt und überqueren die Brücke und meine wertvolle „Fracht“ schläft schon fast. Der Wald wird etwas dichter und der Schnee entsprechend dünner – der Schlitten wird immer schwerer zu ziehen. Doch die Tiergehege sind nicht mehr fern.
Häschen bei der AWO Aurich
Häschen bei der AWO Aurich
Die ersten kleinen Hasen sitzen im Schnee und kaum habe ich diese Entdeckung weitergegeben, wurde der Schlitten unheimlich leicht! Froh wieder etwas Luft holen zu können, während unsere Jüngste die Häschen füttern und streicheln kann, sehe ich mir die kleinen Gehege des Altenheims der Arbeiterwohlfahrt in Aurich an. Hier wurde hat hinter dem Heim einen kleinen Tierpark für die Bewohner des Heims angelegt. Und hierher pilgern wir schon seit Jahren, denn haben Hasen, Meerschweinchen, viele Vogelarten und Schweine hier ein Zuhause gefunden.
Und im kleinen Teich freuen sich auch die Enten auf ein paar getrocknete Brotscheiben, die wir natürlich jedesmal im Gepäck haben.

Die leere Futtertüte und die Kälte erinnert auch unser Töchterchen daran, dass wir wieder weiterziehen müssen. Dabei entschließe ich mich heute zu einen kleinen Umweg am Kinderspielplatz vorbei, dem einzigen Hügel in der Umgebung, auf der auch der Schlitten zeigen kann wofür er geschaffen wurde.
Also lassen wir den Wald und den ersten angrenzenden Acker, den wir überqueren hinter uns.

Von weiten hören wir schon die Kinder johlen. Hier möchte sich jeder von dem kleinen Hügel stürzen – alle Kinder haben einen Schlitten dabei. Vom Renn-Rodler bis zur klassischen Bauweise, hier ist alles vertreten.
Ich muss lächeln, die Kinder erinnern mich an eine Zeit als wir mit unseren Autos auch auf den KFZ-Club Treffen gepost hatten. Jeder zeigte seinen Wagen, poliert und mit besonderen Extras ausgestattet … so verliert man sich in der Vergangenheit. Nun hier sind es aber Schlitten, aber hier wurde genauso geprotzt, nur auf die jüngere Art.
Wir machten unsere erste Abfahrt zusammen, weil der Schlitten doch etwas schwer den Hügel hochzuziehen ist.

Kind auf einem Schlitten im Schnee
Ich mag den Schlitten nicht mehr!!
Hier und dort kam wohl ein Lacher auf, was ich eigentlich erst später registrierte – dafür unsere Tochter um so mehr. Als ich den Schlitten zur nächsten Abfahrt hochziehen wollte, lief mir unsere Tochter voraus, doch in Richtung des Heimwegs. Ich freue mich auf den Glühwein, den meine Frau sicherlich schon in der Mikrowelle bereitgestellt hatte. Während ich an den Glühwein dachte, erfuhr ich auf dem Heimweg, dass dies wohl der letzte Ausflug mit Opas Schlitten (in der Siedlung) sein sollte.
Es war mir noch nicht klar geworden, dass unser kleines Mädchen schon etwas größer war und sich für den alten Schlitten schämte.
Hier half kein zureden, auch vom pädagogischen Standpunkt aus, wollte ich das Thema nicht weiter breitklopfen, doch sollten wir gleich wenn wir Zuhause sind einen Zweit-Schlitten anschaffen. Andere haben ja auch zwei Handys, dachte ich mir. Warum sollte unser Mädchen dann nicht auch einen zweiten Schlitten haben, den sie auch alleine zum Hügel ziehen kann (und der dazu noch viel leichter gebaut ist)?

Und jetzt einen Glühwein am Ofen ...
Und jetzt einen Glühwein am Ofen …

Wir freuen uns auf das nächste mal, wenn es wieder heißt: Es hat geschneit und das nicht zu knapp!

Liebe Grüße aus Aurich,
euer Jürgen

PS: Und immer mal überlegen, was man in der eigenen Umgebung machen kann. Wir sind zum Beispiel so selten an der Nordseeküste – warum fragen hier vielleicht einige? Vielleicht weil wir hier wohnen, komisch oder? Jeder hat die schönen Flecke eigentlich vor der Haustür – und wenn es auch nur ein Altenheim mit Tiergehege oder ein kleiner Schneehügel ist.

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