Mittsommer Festival in Neuschanz 2015: Hoffnung auf eine Fortsetzung?

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‚Alles hat seine Zeit‘, ist ein beliebtes Zitat, an dessen Urheber ich mich gerade nicht erinnern kann. Letzten Freitag haben wir uns mit alljährlicher Vorfreude auf dem Weg zum Mittsommer Festival in Neuschanz gemacht. Nach der Arbeit schnell den Wohnwagen angehängt und unterwegs nach Holland sahen wir uns schon: Mit unseren Gewandungen auf der Wiese liegend, genossen wir den Sound der Bands, während die Sonne brennt und das Bier in Strömen aus der kultigen Keramik fließt.

Ich hätte nicht gedacht wie sehr wir uns irren sollten:
„Es kommt ja angeblich immer alles anders, muss es aber ausgerechnet dieses Festival treffen?“, dachte ich, als ich mit dem Wohnwagen am alten Festivalgelände anhalte. Ich starre blöd auf das riesige Schild, das auf ein „Neues Gelände am Bahnhof“ verweist. Etwas geschockt, dass gerade alle unsere Vorstellungen zerplatzen, brauchte ich ein paar Sekunden.

„Dann ist es sicher ein größerer Acker.“, meinte ich zu Tanja, als ich den ersten Gang wieder einlegte und unser Gefährt in Fahrt brachte. „Erstmal zum ‚Kanonnier‘ den Wohnwagen abstellen, aufbauen und dann radeln wir mal hin. Wo auch immer der Bahnhof ist.“

Eingangsbereich KMF

Der Eingangsbereich – das ist so ziemlich alles. Links noch eine Bühne, hinten noch das Lager …

Das Festival findet für uns erstmals auf dem (unternehmenseigenen) Veranstaltungsgelände am Bahnhof statt. ‚Etwas weniger von allem‚, hat es ein Aussteller treffend beschrieben, der nicht wollte, dass ich seinen Namen nenne. Und wirklich – besser hätte ich es nicht in Worte fassen können ohne beleidigend zu klingen. Der Schock über den zerstörten Traum saß im ersten Moment einfach noch zu tief.

KMF Gelaende am Bahnhof

Wir haben tolles Wetter … doch 2.50€ für ein kleines Bier im (nachhaltigen) Bioplastikbecher ist hart!

BioBurger und Pizza

BioBurger und Pizza, dann ist da auch nicht mehr viel.

Ich greife ja vor – doch die Emotionen machen uns zu dem was wir sind :-) Also unser kleiner Wohnwagen fand wieder seinen schönen Platz bei Will, dem Inhaber und Freund vom Kanonnier – Bed and Breakfast im Achterweg 9. Das Bed and Breakfast kann ich jedem empfehlen, der in Neuschanz eine Unterkunft sucht. Man kann hier auch mit den netten Stammgästen am Abend lange draußen sitzen und alles läuft hier so ‚easy‘ als kenne man sich schon ein Leben lang.

Etwas zu heiß und etwas zu teuer

Trotz der heftigen Hitze von über 30° Grad sind wir wieder mit dem Rad zum Festival gefahren, das ’so‘ noch etwas näher an unserem Unterschlupf ist, als die Jahre zuvor. Wir verschoben einstimmig das Tragen der mittelalterlichen Kostüme auf den nächsten Tag. Synthetik bei dem Wetter ist einfach nicht so toll auf der Haut. Scheinbar wusste jeder Besucher davon, dass das Festival umgezogen war – nur wir mal wieder nicht :-) Aber es war wirklich nicht sehr viel Betrieb am neuen Standort. Andererseits darf es hier auch nicht viel Betrieb geben. Man ist sehr eingeengt durch Bahnlinie und Zäune.

Neuschanz Stadtplan

Standorte des KMF in den letzten Jahren zum Vergleich

Oben habe ich in das Foto von einem Stadtplan, den neuen und alten Standort des Festivals mal eingezeichnet – so kann sich jeder mal ein Bild machen.

Auch wenn wir den großen Platz vermissen, Vitec, die Wiese, die vielen anderen Händler und Futterbuden, den großen Ritual-Kreis für das Handfasting und mehr Platz für jene, die gerne das traditionelle Lager etwas abseits und ruhiger aufschlagen möchten und was weiß ich noch alles – es ist aber trotzdem schön wieder hier zu sein!. Dass man nichts zu Trinken mitbringen darf, finde ich bei den Preisen wirklich nicht gerecht!
5 Euro für ein ‚großes‘ 0.4 Bier ist doch schon etwas happig, wenn man den ganzen Tag (bei der Hitze) bis spät in die Nacht bleibt. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass es nur zwei Toiletten (statt über 20 Toiletten noch 2014) gab.

Wie unter Freunden zu Gast im Lager

Nach der Trauung

Nach der Trauung ein Bild des Lagers – ihr seit echt toll Leute, war schön bei euch

Wir haben (wieder) sehr nette Menschen kennengelernt, gerade sitze ich in deren Lager und halte Wache. Durch die Kinder kamen wir zusammen, wurden ins Lager eingeladen und fühlten uns plötzlich angenehm verbunden. Ganz anders als es normalerweise ist, wenn man wie ein Tourist durch ein Festival stapft. Die anderen sind gerade zum Handfasting (eine alte Hochzeitszeremonie, auch als Heidenhochzeit, Eheleite oder Wiccahochzeit bekannt). Ich passe inzwischen auf das Lager auf, da man die Zelte und Dinge hier einfach nicht alleine lassen kann. Das verstand ich jedoch erst als ich schon einige Minuten meine (Verteidigungs-)Position bezogen hatte. Leute gibt es, da fällt mir nichts mehr ein. Manche schauten sich einfach sehr „frei“ um und mussten an den Eingängen zu den Wohnzelten regelrecht gestoppt werden. Wiederum andere meinten, was hier so rumliegt, steht zum Verkauf. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln und mir was denken, Leute gibt es – Pah!

So kehre ich zurück an meine Handarbeit: Ich tippe diese ersten Zeilen in das Smartphone und lausche in der Ferne die Zeremonie des Priesters. Und dann kommts … ’schöner‘ konnte man eine solche Zeremonie und Stimmung nicht kippen. Es fährt der Regionalzug fast durchs Lager. Die Warnhörner johlen am Bahnübergang gefühlte Minuten über das Land und die Worte des Priesters sind nicht mehr zu verstehen. Hmmja, ein sehr mittelalterlicher Zug …

Regionalzug im Heerlager

Argl!! Der Regionalzug fährt fast DURCH das Lager, ein echter Stimmungskiller!!

Mitten in der Trauung nach keltischen Bräuchen beginnt auch schon die nächste Band. Das Wetter ist mit uns und ich lasse mich nicht entmutigen. Wir freuen uns schon auf Celtica Pipes Rock am heutigen Abend, die ihr Quartier im Hotel neben ‚unserem‘ Kanonnier bezogen haben. Aus dem Grund haben wir, da wir mit Fahrrädern kommen, auch keine Schwierigkeiten mit Parkplätzen :-)

Ein paar Impressionen vom KMF Festival 2015

Celtica Pipes Rock

Abends kommt ‚Leben in die Bude‘: Celtica Pipes Rock

Auch der Regen (okok, es war ein Gewitter) konnte die Laune des Teams nicht kippen – es hat so unglaublich viel Spaß mit euch gemacht, dass ich am liebsten einen „Abspann“ mit allen Stars unseres ‚Wochenendfilms‘ aufschreiben würde. Aber ich denke ihr wisst das schon – wir wollen euch alle nochmal in den Arm nehmen und hoffen, dass wir uns zu so einem Event wieder sehen.

Schlagen wir die Trommel, damit es alle hören: Wir wollen wieder ein KMF – aber auf dem alten Platz :)

Der talentierte junge Mann und seine Trommel – ein Talent, das die Besucher des Keltischen Mittsommer Festivals 2015 am Eingang auf diese Weise schon beeindruckte:

Ein gemütliches Festival mit Musik irgendwo am A… der Welt ist uns lieber wie diese Megaevents mit zigtausend Besuchern. Hätten wir die netten Menschen vom Lager Sile na Gigh nicht getroffen, wären wir sicher am Samstag nach Celtica Pipes Rock gegangen und ganz sicher am Sonntag nicht mehr wieder gekommen – obwohl wir die Eintrittskarten schon hatten.

Wir sehen uns 2016,
Jürgen und Tanja

[Gesamt:2    Durchschnitt: 3.5/5]

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