Die Europastadt Görlitz: Viel Neues und Schönes im Osten

An der Neiße treffen sich Geschichte und Gegenwart, Deutsche und Polen, Wirtschaft und Wissenschaft, Kunst und Kultur

Der Fluss Neiße ist gleichzeitig Lebensader und Schicksalsstrom, Transportweg und Grenzmarkierung der 54 000 Einwohnerstadt Görlitz in der sächsischen Oberlausitz, darüber hinaus ist sie seit 1991 auch Namensgeberin der ersten grenzüberschreitenden europäischen Länderkooperation „Europaregion Neiße“ zwischen Deutschland, Polen und Tschechien, die sich seither der Entwicklung und Verbesserung des gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenlebens widmet. Archäologischen Funden in der Umgebung zufolge erstmals bereits in der späten Jungsteinzeit besiedelt, wurde die historische Stadt im Jahr 1071 erstmals urkundlich erwähnt, von ihrer Lage an der alten römischen Reichs- und Handelsstraße „Via Regia Lusatiae Superioris“ zwischen Leipzig und Schlesien profitierte sie zu dieser Zeit bereits sehr. Spätestens ab dem frühen 13. Jahrhundert entwickelte sich Görlitz dann zu einem überregional bekannten und bedeutenden Handelszentrum, der durch Münz-, Brau- und Salzstapelrecht sowie vor allem mit Farbstoffhandel erlangte Wohlstand weckte die Begehrlichkeiten zahlreicher Mächte, sodass die Stadt im Laufe der Jahrhunderte abwechselnd zu Böhmen, Brandenburg, Sachsen und Preußen gehörte. Im 19. Jahrhundert bestimmten dann die Anbindung an das Eisenbahnnetz und die Industrialisierung die städtische Entwicklung, so entstand etwa die nach dem 420 Meter hohen Hausberg und beliebtem Ausflugsziel Landeskrone benannte und teils unter Denkmalschutz stehende Landskronbrauerei. Bis heute ökonomisch prägend bleibt der lokale Maschinen- und Fahrzeugbau, die Stadt ist ein traditioneller Eisenbahnknoten. Immer stärker an Bedeutung gewinnt auch die Zusammenarbeit mit den polnischen Nachbarn in den bis 1945 zugehörigen Stadtvierteln rechts der Neiße, heute Zgorzelec, so etwa im Bereich Bildung (Hochschule Zittau/Görlitz, Collegium PONTES und Sommerschule der Künste Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec), auch von der seit 2010 bestehenden polnischen Sonderwirtschaftszone für mittelständische Unternehmen um das Gebiet von Zgorzelec profitiert manch Unternehmen vor Ort.

Altstadtmillion und 4000 Denkmäler, Kaisertrutz und Kulturhistorisches Museum, Görlitzer Tierpark und Warenhaus, Schlesisches Museum und Himmelreich

Die Görlitzer Altstadt gehört zu einer der besterhaltenen in ganz Mitteleuropa, Sehenswürdigkeiten von Görlitz wie die Kaisertrutz von 1490 samt Kulturhistorischen Museum und Reichenbacher Turm, die im Jugendstil errichtete Straßburgpassage und das Warenhaus an der Frauenkirche, die Ochsenbastei und der Nikolaizwinger, das Finstertor samt Scharfrichterhaus, das Rathaus von 1369 und die umgebenden historischen Wohn- und Geschäftshäuser am Untermarkt werden jedes Jahr von an Architektur interessierten Urlaubern und Besuchern bestaunt. Für Staunen sorgt auch bereits seit 1995 und immer noch die jedes Jahr die pünktlich, aber anonym gespendete sog. Altstadtmillion, das Geld eines offensichtlich sehr von der urbanen Bausubstanz begeisterten Gönners wurde und wird für die Sanierung zahlreicher Gebäude genutzt, die heute alle eine Plakette der Görlitzer Altstadtstiftung tragen. Sehenswert und besonders für Familien empfehlenswert sind auch der Tierpark mit seinen gut 500 Tieren auf 5 Hektar Fläche und die Görlitzer Oldtimer Parkeisenbahn. Historiker hingegen schätzen das Schlesische Museum mit seinen vielen Exponaten zu über 1000 Jahren regionaler Kulturgeschichte, dazu gehört zweifellos auch das traditionelle Fleischgericht Schlesisches Himmelreich aus Schweinebauch, Backobst, Zimt, Zitronenschale und  Kartoffelklößen. Diese und weitere typische Speisen und Getränke der Region kann man zum Beispiel gut auf den regelmäßigen Festen der Stadt wie etwa dem Altstadtfest im August/September, dem sommerlichen Landskron Braufest und dem Schlesischen Tippelmarkt im Juli genießen.

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Kategorie Deutschland, Städtereisen

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