Der fescheste Dämonenjäger von allen?

Die Helden von Diablo 3 in den höheren Stufen sind nicht nur kampferprobt und weitgehend magieresistent. Nein, manche besitzen sogar eine unbändige Anziehung auf das andere Geschlecht. Manchmal verbirgt dieser Charme sich dabei anscheinend – wie in meinem Fall – auch unter der eher unansehnlichen Maske eines Dämonenjägers. Obwohl ich eigentlich gedacht hatte, dass diese Wesen eher furchteinflößend denn sexy sind, traf ich dereinst im BattleNet auf meinen ganz persönlichen Groupie. Aber wie sagten schon Mutter und Großmutter im Chor:
Auf die inneren Werte kommt es an!

Permanenter Tod

Permanenter Tod

Wenn ich hier übers Battlenet rede, dann rede ich nicht über den Softcore-Modus, bei dem man einen einmal gestorbenen Charakter einfach wiederbeleben kann. Das kann ja jeder. Nein, ich rede über die Variante für echte Männer (und Frauen): Den Hardcore-Modus! Dieser stand bei Diablo III zur Verfügung, sobald man den „Standardmodus“ bereits einmal durchgespielt und Diablo besiegt hatte. Wer einmal stirbt, ist tot – selbst alle meine Skills konnten dem entsprechenden Spieler dann nicht mehr erlauben, mit diesem Charakter noch einmal am alltäglichen Wahnsinn des Battlenets teilzunehmen. Der sogenannte Hardcore-Modus von Diablo 3 ist eine zusätzliche Spielvariante für Spieler, die den Reiz der ständigen Gefahr eines dauerhaften Todes ihres Charakters zu schätzen wissen.

Jedenfalls traf ich während des Spiels im Hardcore-Modus auf diese Magierin, die noch nicht besonders weit über die erste Stufe heraus war, aber anscheinend glaubte, in mir, einem erfahrenen Recken der Hardcore-Diablo-Welt, ihr persönliches Herzblatt gefunden zu haben. Mir fehlte nicht mehr viel bis zur den höchsten Weihen der Diablo-Welt und einem voll ausgereizten Skill-Baum. Aber: Gegen so ein Weibsbild ist auch ein Mann, der beruflich hauptsächlich mit Skeletten, Golems und explodierenden Leichen zu tun hat, nicht gefeit. Im Chat wurde durch Sprüche wie „Wow, du hast da aber einen ganz tollen Stab!“ schnell klar, dass sie an mehr als nur einem rein professionellen Verhältnis auf dem Gebiet des Dungeon-Lootings interessiert war. Sie folgte auf Schritt und Tritt und irgendwie war es ja auch niedlich, wie sie mit ihren niedrigstufigen Zaubersprüchen die für sie eigentlich zu starken Gegner zu verletzen versuchte. Bereitwillig stellte ich ihr meine untoten Armeen und mein ganzes nekromantisches Geschick zur Verfügung, um sie vor einem allzu schnellen Ende zu bewahren. Im Hardcore-Modus wäre dieses Ende ja schließlich endgültig gewesen. Dazu passte auch, dass ich bei schwieriger werdenden Kämpfen stets ein Town-Portal für sie geöffnet hielt.

Die Beziehung wurde bei der gemeinsamen Metzelorgie und vielen durchlebten Lebensenergie-Krisen immer enger. Schließlich machen wir uns auch Gedanken darüber, was wäre, wenn der jeweils andere nicht mehr wäre: Bereitwillig gaben wir uns gegenseitig die Erlaubnis, unsere jeweiligen toten Körper zu looten und die Beute entweder möglichst gewinnbringend zu verkaufen oder dem jeweils anderen einfach zurückzugeben, damit dieser seine Gegenstände auch nach dem Tode in einem neu erstellten Charakter wiederverwenden könne.

Schließlich kam es dann aber doch zum ersten richtigen Streit, der das heftige und vorschnelle Ende unserer Beziehung darstellen sollte. Nachdem wir wieder mal ein paar wahnsinnig gefährliche Gegner erlegt hatten, tauchte plötzlich der Totenbeschwörer-Stab meiner Träume auf: Eine äußerst seltene Waffe.
Und mein Herzblatt nahm ihn an sich. Als sie mir dann die Specs verriet, wurde ich blass. Aber, wie sie mir auch sagte, sie braucht Geld für einen neuen Zauberstab (wie Frauen eben so sind) und würde keinesfalles daran denken, ihn wieder herauszurücken. Dies führte natürlich zu einer längeren Diskussion. Als langsam klar wurde, dass mein Herzblatt vielleicht doch nicht einfach eine junge Frau mit gutem Herzen sondern ein kühl agierendes, profitgieriges Biest war. Aber wer mich länger kannte, wusste, dass ich auch so sein konnte. Blitzschnell fasste ich dann einen Entschluss und setzte ihn in die Tat um. Ich nutzte das eigentlich zur ihrer Rettung bereitsstehende Town-Portal, erklärte ihr den PvP-Krieg, teleportierte mich zurück und meuchelte sie. Danach nahm ich meinen neuen Totenbeschwörer-Stab triumphierend an mich.

Techtelmechtel und Gemeuchel

Der Kummer saß nicht besonders tief und war schnell überwunden. Beziehungen und Techtelmechtel kommen und gehen sehr schnell in der Online-Welt. Nachdem ich noch einmal in Ruhe darüber nachgedacht hatte, kam ich außerdem zu der Erkenntnis, dass es wohl nicht wirklich eine junge Frau war, der ich ihren mühsam hochgezüchteten Charakter gekillt hatte, sondern wahrscheinlich ein genauso ein verrückter Diablo II-Spieler wie ich, der in seinen Pyjamas bis ins Morgengrauen zockte und sich nur seltsam weiblich verhalten hatte. Natürlich konnte ich das dann nicht mehr nachprüfen, da die Welt der Online-Spiele nicht gerade für ehrliche Antworten bekannt ist und der Kontakt zu dem entsprechenden Spieler danach auch unerklärlicherweise relativ schnell abbrach. Wie das Leben halt so spielt. Der neue Stab jedenfalls war echt super. ^^

Euer
Dennis

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