Wenn Dich der Hausarzt auf Pilgerreise in die Dolomiten schickt …

Kennen Sie das auch? Mal wieder beim Friseur oder Arzt kommt man in ein Thema, das sich idealerweise nicht auf das Wetter beschränkt. Man kennt sich ja schon so viele Jahre, da findet man auch gerne die Zeit sich zu unterhalten. Das Thema der Entdeckungen steht bei uns hier immer an oberster Stelle. Leider ist man heute ja über Facebook und Co. so dicht mit allen verbunden, dass es gleich wieder jedem auffällt, wenn man das Land verläßt oder wie im heutigen Fall, es schon wieder plant.

So sprach ich mit meinem Arzt in diesen Tagen über den möglichen Urlaub für die Saison 2016. Wir verehren Italien genau wie auch Spanien, daraus mache ich nie ein Geheimnis und freue mich immer mit Freunden und Bekannten über diese Länder zu plaudern. Ich erzählte ihm von unserem Urlaub in Bibione und dem Urlaub in der Region um Venedig zu Zeit der Expo 2015. Da es uns nie sehr in Großstadtmetropolen zieht – wir sind ja in der Regel im Urlaub um uns zu entspannen, machen wir uns auch um Kriminalität wenig Sorgen. Doch steigende Arbeitslosigkeit und die negativen Medien fördern Angst und somit den Gedanken an die Sicherheit für die Familie.

Ein Gesundheitscheckup mit Folgen

Er lauschte meinen Eindrücken und unseren Erlebnissen aus dem letzten Urlaub in Italien. Ein wenig Stolz erzähle ich immer von unserer Tour nach Venedig in der Nacht. ‚Ob ich schon mal in den Dolomiten war‘, hatte er mich gefragt, was ich gleich verneinte. Da ich auch schon über 40 Jahre alt wäre, sollte ich auch an etwas mehr Bewegung denken, wenn wir uns schon eine Auszeit nehmen. Typisch Arzt, er hat ja immer so Recht. So kamen wir aufs Wandern und ein Reiseziel, das wir uns schon auf unsere Bucketlist gesetzt haben.

Kurz nachdem wir das beeindruckende Film-Drama „Dein Weg“ mit Martin Sheen gesehen haben, kauften wir uns gute Wanderstiefel (kein Witz!), da wir versuchen wollen ins Pilgern etwas Freizeit zu investieren. Man glaubt nicht wie viele Pilgerwege es auch in Deutschland gibt. Nicht lachen! Der Film ist wirklich inspirierend wie ergreifend zugleich. Außerdem bleiben die großartigen Bilder der Bergregionen einfach unauslöschbar in den Gedanken. Thomas ist Augenarzt, der nach dem Tod seines Sohns nach Europa fliegt. Sein Sohn kam, als er in den Pyrenäen auf dem Jakobsweg unterwegs war, ums Leben. Ursprünglich wollte der Vater nur die Leiche in die USA überführen, doch dann begibt er sich aus Trauer und zu Ehren seines Sohns auf den alten, spirituellen, rund 800 Kilometer langen Pfad Richtung Santiago de Compostela. Mehr möchte ich nicht erzählen, nur soviel, dass mich aus diesem Zufall der Einwand meines Arztes eher inspirierte – sonst hätte ich das Thema „Urlaub in den Bergen“ bereits nach dem Verlassen seiner Praxis vergessen.

„Googel nach Sappada“, sagte er lächelnd.

Eine Arzthelferin kam herein. Ich denke hauptsächlich um uns beide unmerklich an die Zeit zu erinnern, in der andere Patienten vor der Tür warten müssen. An einem Gesundheits-CheckUp-Tag wie diesem, hatte ich die Praxis um mich herum schon vergessen. Wir hatten uns so angenehm unterhalten, dass ich in der Situation beinahe ein Glas Wein bestellt hätte.
So verabschiedete ich mich und versprach mir in Gedanken, noch am selben Tag an die Recherche über die Dolomiten zu setzen. „Googel mal nach Sappada, da waren wir vor ein paar Jahren.“, sagte er, ehe ich die Praxis verließ.

Für ein paar unverfälschte Eindrücke, sollte jeder mal durch die Straßen von Sappada via Streetview ‚fahren‘ :

Der Pilgerweg vom italienischen Sappada nach Österreich

Natürlich kann man in der 1200 Meter hohen Bergregion wunderbar den Winterurlaub verbringen. Überraschend ist es, dass hier nicht mit dem RambaZamba der Alpenregionen geworben wird, sondern genau mit dem Gegenteil. Man berichtet über die Stille der Wälder und der zauberhaften Atmosphäre, die Erholung an diesem Ort so besonders macht. Ich bin tatsächlich interessiert, hier sogar im Winter anzureisen, denn hier ist erfreulicherweise nirgendwo die Rede von einem Ballermann in den Bergen.

Gemütliche Gastlichkeit für die ganze Familie gepaart mit einer Landschaft und unzähligen Ausflugszielen ist für uns genau das Richtige. Von der Nachtwanderung, Reitausflügen, dem Besuch eines Spielparks oder unzähligen Wellnessanwendung ist hier alles möglich.

Ich empfehle den Besuch der Seite Sappada Dolomiti, die Besucher über Traditionen und Aktivitäten der Region informiert (Katalog gibt es hier auch gratis per Post).

Auf der Seite fand ich einen Artikel über den Pilgerweg zur Wallfahrtskirche . Jedes Jahr nehmen hier hunderte Menschen an einer 9 Stündigen Wallfahrt zur Basilika von Maria Luggau teil.
Jedes dritte Wochenende im September, ist jeder eingeladen der Tradition zu folgen die seit Jahrhunderen stattfindet. Man geht (natürlich zu Fuß) vom italienischen Sappada bis zum österreichischen Dorf von Maria Luggau. Die Pöstlingbergkirche wird auch „Basilika zu den Sieben Schmerzen Maria“ genannt und ist das ziel dieser Wallfahrt auf der Kuppe des Pöstlingberges im Linzer Stadtteil:

Poestlingberg Aussichtsplattform und Wallfahrtskirche 2005-06-28

Wer vom Cima Sappada nach Maria Luggau pilgern möchte, muss zu fast unchristlicher Zeit aufstehen!

Samstags um 3:30 in der Früh beginnt die Prozession in Cima Sappada entweder bei der „alten Säge“ „Veccia segheria Cottrer“ oder an der Kirche St. Oswald im Ortszentrum und folgt der „Strada Provinciale 22“ hoch bis zur Quelle des kleinen Flusses Fiume Piave. Durch das Valle di Sesis führt der Weg über die Sorgenti del Piave am Fuße des Monte Peralba zur Rifugio Calvi (2.164 m, 3 Std.). Am Passo di Sesis (2.312 m) wird der höchsten Punkt erreicht und man steigt dann über das Pladener Joch. Hier wird wieder auf die österreichische Seite gewechselt und man steigt zum Hochweißsteinhaus ab (1 ½ Std.). Über das Frohntal wird schließlich das Ziel der Pilgertour, die Wallfahrtsbasilika in Maria Luggau erreicht.

Den Katalog für die Saison 2016 habe ich mir auf diese Seite kostenlos bestellt. Soweit sind meine Reisevorbereitungen schon abgeschlossen. Meine Frau liebt es sich immer um die Unterkünfte zu kümmern und verbringt dabei zahlreiche Abende am PC, so dass mir noch etwas Zeit bleibt mich um mögliche Wandertouren zu kümmern, die man vielleicht auch mit unserer Tochter machen könnte. Doch davon werde ich ein anderes mal berichten.

Viele Grüße und bis zum nächsten Urlaub,
Jürgen

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